Ich schreibe dies als 70-jähriger. In unserem Wohnzimmer sind 2 Server
und 8 PC-Arbeitsplätze. Wir beschaffen uns und publizieren monatlich
100.000 Bilder. Es ist immer ein etwa 18-jähriger Praktikant im Team. Er
weiß, was läuft, kennt die Wörter und findet Dinge, die ich nicht finden
würde. Das Internet ist schnell. Die neugierigen Jungen nehmen es ganz
selbstverständlich in Beschlag. Das Internet gehört immer mehr zur Jugendkultur.
Zum klugen Internetmanagement gehört die respektvolle
Nähe zur Jugend.
Erstklassiges Wissen ist außerordentlich kostbar. Es sich anzueignen
rechtfertigt einen außerordentlichen Aufwand. Die örtliche und zeitliche
Nähe zu Ursprüngen kann Ihr Leben verändern. Man kann Kongressunterlagen
zu Hause lesen, oder man kann für eine Woche hinreisen. Das
zweite scheint teuer zu sein. Der Schein trügt. Nichts kann die körperliche
Teilnahme an den Denkprozessen eines anderen Menschen an Ort
und Stelle ersetzen.
Das allerbeste ist das persönliche Gespräch, und in Annäherung jede
andere Form der Interaktivität. Alle großen Denker der Weltgeschichte
haben zwecks Nachdenken lange Gespräche gesucht und Zuhörerinnen.
Ich habe gerade einen Kulturmanager kennen gelernt. Ich bin vor
Neid beinahe geplatzt, als er mir von seinen Gesprächen mit den brillantesten
Köpfen in unserer Kultur erzählte. Ich sagte ihm, er könne das Salär
behalten. Ich würde zusätzlich noch ein Gehalt dazulegen, wenn er
mir seine Arbeit abtreten würde. Er will nicht.
Das Internet steht am Anfang. Die verfügbare Hard- und Software ist
alles andere als benutzerfreundlich. Das Rechtsdenken ist noch mit dem
Agrarzeitalter verklebt. Viel zu viel unserer Lebenszeit wird vergeudet.
Aber es kommt gut. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen niemals,
unter gar keinen Umständen, es zulassen werden, dass ein Weltherrschaftsphantast
sein Monopolnetz über das Internet legt.
Meine Zuversicht stützt sich darauf, dass sich die Qualität der kollektiven
Meinungsbildung der demokratische Prozess dank Internet
massiv verbessert. Die Zahl der Teilnehmer ist maximal, Distanzen sind
bedeutungslos. Die hohe Akzeptanz bringt eine gewaltige Durchsetzungskraft
mit sich.
Photo: Hannes Keller Visipix.com
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